Autor Gerhard Jeske

Gerhard Jeske, geboren Jahrgang 1929 in Danzig, lebt heute in Hamburg. Theologe von der Ausbildung, Fotograf vom Beruf, Grafiker, Publizist und politischer Schriftsteller. Die Erinnerungen seiner Jugend in Danzig sind die spezifische Krönung seiner publizistischen Tätigkeit. Sie haben einen besonderen historischen Wert und sind Form seiner literarischen Erzählungen, die das tägliche Leben in der Freien Stadt Danzig wiedergeben – vor allem der Arbeiterfamilie in der Zeit des unruhigen Friedens und des tragischen Krieges.

Als Fotograf hatte er aktiv im gesellschaftlichen Leben teilgenommen und sich auf Enthüllungen und Bekämpfung von Nazismus eingelassen. Seit den siebziger Jahren arbeitete er mit Menschen aus Danzig zusammen, die für eine deutsch-polnisch Annäherung tätig waren. Als Fotograf hatte er unter anderen mit Hans Georg Siegler (1920 – 1997), Autor diverser Werke über Geschichte und Kultur von Danzig und Oliva, zusammengearbeitet. In seinen Album-Büchern „Danzig erleben. Ein Kulturhistorischer Reisebegleiter durch Danzig” (Düsseldorf 1985) und “Von Danzig aus. Reisewege in Westpreussen, Pommern und Ostpreussen heute” (Düsseldorf 1987), die ein Reisebegleiter für Danzig Umgebung und Kaschuben sind, so wie im Buch “Danzig. Chronik eines Jahrtausends” (Düsseldorf 1990), finden wir so wertvolle Texte und Bilder von Gerhard Jeske. Dem Droste Verlag hatte er Bilder auch für andere Werke geliefert.

Während seiner vielen Reisen nach Polen, nach Danzig, den Kaschuben und auf die Danziger Niederung hatte er Architekturdenkmäler und das tägliches Leben der Einwohner dokumentiert. Er arbeitete mit der Kunstakademie in Danzig und dem Freilichtmuseum Wdzydze zusammen, wo er Ergebnisse seiner Reisen in diese Region. in Fotoausstellungen präsentiert hatte. Er machte Aufzeichnungen von Zeitzeugen wie dem “alten Danziger” Gerard Knoff oder Pelagia Żmuda-Trzebiatowska aus Czarna Dąbrowa, wo während des Krieges der Pfarrer-Oberst Józef Wrycz versteckt wurde und hielt die Aussagen in Interviews fest.

 

Mit der erweiterten Neuauflage seines Buches "Engel mit Trompete" wurde auch zeitgleich das Werk in polnischer Sprache in Danzig /Polen veröffentlicht.

Edition Lumen, Taschenbuch, 308 Seiten,
ISBN 978-3943518-01-6
€ 14,95

ab 21. November 2011 über den Verlag erhältlich
über den Buchhandel ca. 6 Wochen später

www.edition-lumen.de

 

 

Heim ins Reich
Beim Petershagen steigt man hoch
zum Bischofsberg.
Da drauf entstand ein Jugendwerk.
Dort thront die Zwingburg auf dem Moränen Rücken,
um junge Pimpfe zu beglücken.
An jenem Tag, da der Führer ihre Höhe maß,
wendete er die Geschichte.
Sie faulte
und stank nach Aß.
"Dieses Danzig wird wieder deutsch und ewig bleiben."
Danach begannen, wie das Hochwasser steigt,
Europas Menschen
unbeschreiblich zu leiden.
Der Anfang war im Ende eingeschlossen.
Vom Bischofsberg wurde Hitlers Wahn
und die Danziger Geschichte
zusammengeschossen.
Heim ins Reich
wollte man bleiben.
Was blieb?
War
Heimatverlust,
und
sinnloses Leiden.

Auszug aus der Biografie "Engel mit Trompete

Kurze Leseprobe: Ein oder zwei Tage später lud mich Hans Olschewski ein, ihn abends zu begleiten. Nach dem Abendessen gingen wir über das Schneefeld zum Dorfrand. Unvermittelt sagte Hans, dass sein Vater an einem Hirntumor verstorben war. Ich wusste Bescheid, das war sicherlich ein Schlag über den Schädel oder eine Pistolenkugel gewesen, sagte aber nichts. Vor einer Kate blieben wir stehen. Er öffnete die Tür und schob mich hin ein. Mattes gelbliches Licht umfing uns vermischt mit Dampfschwaden, die aus der Tür in die Kälte schwebten. Ich befand mich in der Wohnküche. In der Mitte des Raumes stand ein 3-4 jähriges Mädchen in der Wanne, die Mutter seifte den nackten Körper ein. An der rechten Seite stand der aufgeheizte Herd. Die Oma bereitete das Abendessen vor. Links an meiner Seite standen drei oder vier Jungens, angezogen mit der Hitler-Jugend-Winteruniform. Das waren sie also, die Bowkes von der illegalen polnischen MINDERHEIT. In der linken Ecke des Raumes saß der polnische Schuster an seinem Arbeitstisch. Er schaute mich prüfend an, legte den Hammer aus der Hand und sprach dann leise mit Hans Olschewski. Was er erzählte weiß ich nicht, darüber schwieg Hans sich aus. Vielleicht hatte er geprüft, ob ich für eine illegale Arbeit nützlich sein könnte. Jedenfalls nahm Hans mich danach nicht mehr mit. Hier, bei den einfachen Mitmenschen, suchten die polnisch-katholischen Jugendlichen etwas Familienersatz. Hier erlebten sie das, was die Hitlerjugend ihnen verweigerte und auch nicht ersetzen konnte.

Nach einigen Minuten drehte sich Hans zu mir um, nickte mit dem Kopf und wir verließen die Familie. Aus der gemütlichen feuchten Wärme in die sternenklare Winternacht zu treten schockte uns, und ließ uns die Kälte bis auf die Rippen fühlen. Schnell zog ich die Ohrenklappen herunter, und steckte meine Hände in die Hosentaschen. Schweigend schlurften wir über den Schnee der alten Schule entgegen, die mir jetzt wie ein Straflager für deutsche Jugendliche vorkam...

S. 57 f

 

 

 


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